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Volkstrauertag
2006, ein trüber nebliger Novembertag im Ostseebad
Zinnowitz. Es ist ein Tag mit einer langen
Vorgeschichte. Zinnowitz in unmittelbarer
Nachbarschaft der Ortschaft Peenemünde, jenem
Peenemünde, von dem aus Hitler seinen Krieg
gewinnen wollte. In der Heeresversuchsanstalt
Peenemünde wurden die Vergeltungswaffen entwickelt
und gebaut. Viele der Techniker und Ingenieure lebten
im benachbarten Zinnowitz. Wenige nur gab es, die
die Bedeutung und Gefahr erkannten, die von
Peenemünde ausging. Zu Ihnen gehörten Dr. Carl
Lampert, Johannes ter Morsche, Gerardus Pelkmann,
Tadeus Siekierski, Dr. Alfons Maria Wachsmann,
Pfarrer Vincenz Plonka und Luise Feike. Jenen
Unerschrockenen wurde nun ein Denkmal gesetzt, dass
nachdenklich stimmen und erinnern soll ...
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Zinnowitzer Frauen sangen zu der
kleinen Einweihungsfeier zu der rund 150
Zinnowitzer, in- und ausländische Gäste, Vertreter
aus Öffentlichkeit und Politik sowie von Fernsehen
und Presse gekommen waren. In einigen einleitenden
Worten freute sich der Zinnowitzer Bürgermeisters
Carsten Michalk, dass nach jahrelangem hin und her
nun endlich ein würdiger Platz für jene mutigen
Mitbürger im Ostseebad gefunden wurde. Er spannte
eine Brücke zu der neuen Botschaft, die durch die "Peenemünder
Konzerte" nun auch von der Insel Usedom ausgeht, und
die genau wie die eingeweihte Zinnowitzer Stele zum
Nachdenken über unsere Zeit anregen und erinnern
soll. So fand dann auch die Landrätin Dr. Barbara Syrbe in ihrer Ansprache einen Bezug zur heutigen
Zeit, indem sie der Hoffnung Ausdruck verlieh, dass
die Stele den ewig Gestrigen Anstoß zum Nachdenken
sein sollte. |
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Höhepunkt der
Veranstaltung am Volkstrauertag 2006 waren schließlich
die Enthüllung der schlichten Granitsäule durch
Marie ter Morsche und ihre Ansprache. Marie, die
Tochter von Johannes ter Morsche und Margarete ter
Morsche (geb. Böttcher) war 1937 und 1938 erstmals
in den Ferien bei den Großeltern in Zinnowitz
gewesen. Diese waren von Berlin in den 30ger Jahren
an die Ostsee gekommen und hatten zunächst in
Ahlbeck und schließlich in Zinnowitz eine Pension
(Pension zur Eiche, Waldstr. 12) erworben. Marie kam
1941 mit Ihren Eltern nach Zinnowitz und fand in der
Waldstr. 12 Quartier. Maries Vater Johannes ter
Morsch war zunächst im Dreyfus-Kinderheim als Heizer
und später beim Brunnenbauer Max Paul in Anstellung.
Durch den Brunnenbau hatte er ersten Kontakt nach
Trassenheide und Peenemünde. Johannes bekam durch
die Arbeit beim Brunnenbau einen tieferen Einblick
in die gigantischen Rüstungsprojekte von Peenemünde.
Der Beginn für erste Kontakte und die vorsichtige
Opposition war nicht mehr weit. Zusammen mit anderen
Gegnern des NS-Staates traf man sich bei den ter
Morsche´s in Zinnowitz und hörte feindliche
Radiosender ab. In die sich vorsichtig formierende
Opposition trat am 30. Januar 1943 erstmals auch ein
gewisser Ingenieur Hagen, Dr. Lampert hatte ihn
mitgebracht. Weitere Treffen, bei denen über die
aktuelle Kriegslage informiert wurde, fanden am
31.01 und 03.02.1943 statt, Hagen war immer dabei.
Nur Hagen konnte wissen, das es das letzte Treffen
war, den kurze Zeit später begannen die
Verhaftungen. Es folgten Prozesse wegen
Rundfunkverbrechen, Wehrkraftzersetzung,
Feindbegünstigung, Hoch- und Landesverrat. Ter
Morsche, Siekierski und Dr. Lampert werden zum Tode,
Pelkmann und Plonka zu sechs Jahren Zuchthaus
verurteilt. Auch Dr. Wachsmann, ein Greifswalder
katholischer Pfarrer wurde 1943 in Zinnowitz
verhaftet und zum Tode verurteilt.
(Lit.: "Marie ter Morsche kann ihren Vater nicht
vergessen", Karl Heinz Jahnke, Rostock 2002) |
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Marie ter
Morsche erinnerte an die Gruppe um ihren Vater und
war froh darüber, dass endlich in Zinnowitz der
Opponenten von einst würdevoll gedacht wird. Pfarrer
Illman i.R. aus Wolgast erinnerte in seinen
abschließenden Worten an die besondere Rolle der
katholischen Geistlichen in der Gruppe des
Zinnowitzer Widerstandes. |
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