Hans Werner Richter, der Gründer der Gruppe 47, der 1908 im Bansiner Ortsteil Neu-Sallenthin auf Usedom geboren wurde, wird geehrt und verehrt hier im Norden der Republik. Vor 10 Jahren hatte die Gemeinde Bansin das alte Feuerwehrgebäude in ein Literaturhaus, das Hans-Werner-Richter-Haus umgebaut. Nunmehr ist dieses Haus zu einer etablierten Literaturbegegnungsstätte geworden mit einer Bibliothek, einer Ausstellung mit Kostbarkeiten aus dem Nachlass des Künstlers, einer Ausstellung über die Publizistin und Schriftstellerin Carola Stern, und mit einem Lesesaal, der rund 50 Personen Platz bietet. Am vergangen Freitag reichten die Plätze jedoch nicht aus, denn es gab gute Gründe, dass die Gäste so zahlreich kamen. Mit einem Hoffest bei Wein, Gerilltem und Musik von Sänger und Pianist Thomas Putensen wurde das zehnjährige Bestehen des Literaturhauses gefeiert. Höhepunkt war dann die Lesung aus dem neu verlegten Buch Richters „Die Stunde der falschen Triumphe“ , das in Bansin spielt und in der kommenden Woche im Wagenbach-Verlag erscheint. „Mein Gott wer soll das alles verstehen“ schließt die Geschichte um zwei Bansiner , den Schnäuzer-Willi und den Köster-Willi. In der Richter eignen einfachen und brillanten Erzählweise geht es um Anpassung und Verweigerung in der Zeit um den Nationalsozialismus. Die Episode um einen „Hitler in Öl“, den ersten Preis beim Schützenfest, den Schnäuzer-Willi gewinnt, ist ein kaum zu übertreffendes Gleichnis für die Schwierigkeiten einen Mittelweg zu gehen. Und da ist auch noch die Hitlereiche, die Köster Willi, der Lehrer gedemütigt pflanzt um seine Haut zu retten. Aus dem kleinen Büchlein, dessen Titelseite pommersche Schafe zieren las kein Geringerer als Martin Bartels (lange Jahre Pastor in Benz), der sich auch um die Etablierung des Bansiner Literaturhauses sehr verdient gemacht hat. Natürlich hatte Martin Bartels auch noch die Bildnisse der beiden Willis und so manche Geschichte über die beiden Bansiner Urgesteine im Gepäck. Am Ende der Lesung hatte dann trotz Hoffest und übervollem Haus auch noch Frau Bluhm, die Chefin des Hans-Werner-Richter-Hauses etwas Ruhe und ein paar Minuten Zeit um den Geschichten Richters zu folgen und Martin Bartels mit einer Flasche Rotwein für den wunderbaren Abend zu danken.
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