"Ich heiße Bartholdy, denn es ist mir der Bart toll die Tage gewachsen" schreibt Felix Mendelssohn Bartholdy in einem seiner Briefe an die Familie Medelssohn. Rund 5000 Briefe existieren von dem Musiker. Es sind wunderbar wortgewaltige, das Leben seiner Zeit voller Witz und Ironie beschreibende kleine Werke. Welch wundervolle Idee von Franziska Franke die Briefe und die Musik von Felix Mendelssohn Bartholdy zum Thema eines Abends beim Usedomer Musikfestival zu machen. Mit der israelischen Pianistin Yaara Tal und ihrem deutschen Partner Andreas Groethuysen war eines der weltweit bekanntesten Klavierduos in die Benzer Kirche gekommen. Die gespielten Stücke von Bartholdy zu vier Händen komponiert, waren den beiden Virtuosen förmlich auf den Leib geschneidert. Beeindruckend wie die vierhändigen Klänge des Flügels das Kirchenschiff tongewaltig erfüllten und dann wieder leise sich den Weg durch den Raum suchten. Die Begeisterung des Publikums war dementsprechend groß, besonders als vor der Pause die Konzert-Ouvertüre "Die Hebriden" erklang und die tosend gegen den Fels der Insel schlagenden Wellen förmlich zu sehen waren. Mendelssohn hatte die schottische Inselgruppe mit dem befreundeten Dichter Karl Klingemann 1829 besucht und war zu dem Werk inspiriert worden. Als Zugabe gab es eine Passage aus einem der drei Klavierkonzerte von Fanny Mendelssohn, von der in den Briefen zuvor schon mehrfach zu hören war - ebenfalls für vier Hände.
Ingo Naujoks, bekannt aus dem deutschen Fernsehen, las zwischen der Musik aus Briefen von Felix Mendelssohn Bartholdy. Leider gelang es ihm kaum ansatzweise die wunderbar wortgewaltigen und sinnreichen Briefe in einen würdigen Kontext zu der fantastischen Musik von Yaara Tal und Andreas Groethusen zu setzen - schade, eine gelungene Rezitation der Briefe hätte den Abend zu dem gemacht, was die Idee von Franziska Franke verdient hätten - zu ein rundum genussvollen Erlebnis.