Als Gerhart Hauptmann auf dem Weg zu seiner Muse in Heringsdorf, weil er den letzten Rügendampfer verpasst hatte, Station machte und am Abend in Erwartung des Wiedersehens mit seiner Idinka am Ufer stand, schwärmte er vom perlmuttfarbenen Meer dieses Abends.
„Kleine deutsche Venus, Du!“ – ein Programm mit Rezitationen von Gudrun Landgrebe und mit der zauberhaften Klaviermusik von Sebastian Knauer. Eben jener nur ein halbes Jahr währenden Liebe zwischen dem 40jährigen Hauptmann und der gerade mal 17jährigen Ida Orloff war das Programm im Heringsdorfer Kaiserbädersaal gewidmet. Ein halbes Jahr nur, das Hauptmann nie wieder sollte loslassen …
In Erwartung eben jener pikanten Geschichte herrschte Stille im Saal als Gudrun Landgrebe ihre Stimme das erste Mal hob, um eine Geschichte zu erzählen. 1941, mitten im Krieg erhält der alte Hauptmann einen Brief von eben jener Ida Orloff, die sich noch einmal etwas Ewiges von IHREM DICHTER wünscht. Es kommt tatsächlich zu einem späten Treffen in Berlin – doch kaum etwas erinnert an die Beziehung vor fast 40 Jahren – die schöne wie tragische Liebe, gegen die sich Hauptmann fast machtlos versuchte zu wehren.
“Und Pippa tanzt” ist Hauptmanns Geschenk an seine 17jährige Muse, und als er Ihr eine Buchausgabe der Pippa schickt, bittet er darin um ein heimliches Treffen mit ihr. Es beginnt eine leidenschaftliche Affäre, in der der schwärmende Dichter sich fast hilflos ausgeliefert fühlt.
Jene gefühlvollen Augenblicke werden in einzigartiger Weise durch Sebastian Knauer am Klavier mit Stücken von Chopin, Schubert und Schumann illustriert.
Fast möchte man mit leiden mit jenem Hauptmann, der der jungen blonden Schönheit so wunderbar verfallen ist. Hauptmann war sich sehr wohl der Gefahr der Situation bewusst, hatte er sich doch nach 9 Jahren Ehe von seiner ersten Frau Marie getrennt und seine Geliebte Margarethe geheiratet. Sollte nun ähnliches geschehen? Eine Rügenreise sollte Klarheit verschaffen. Ida hoffte darauf, dass der Dichter sich erneut trennt und Hauptmann scheint in Erwartung des Wiedersehens am Ostseestrand gefühlvoller denn je. Knauer vermittelt eben jene Leidenschaft durch Tschaikowskys „Die Jahreszeiten“ dem Publikum im Saal. Eine erwartungsvolle Ruhe macht sich breit, der Musik und den einfühlsam rezitierten Texten lauschend, als könne JEDER mit den Liebenden mitfühlen, als habe JEDER schon Ähnliches erlebt oder durchlebt …
Mag dem Dichter in Erwartung des Treffens mit Ida Orloff jenes Gedicht durch den Kopf gegangen sein, als er in Heringsdorf Zwangspause machte, das er Jahre zuvor auf der Insel Hiddensee hatte geschrieben? Gudrun Landgrebe rezitierte aus Hauptmanns Mondscheinlerche und schloss mit den Dichterworten:
„Wiesenfläche, Feld und Hain
zaubereinsam schillern;
badend hoch im Mondenschein
Mondscheinlerchen trillern.“
bevor Ludwig van Beethovens Mondscheinsonate erklang. Das Publikum bedankte sich bei Gudrun Landgrebe und Sebastian Knauer für „Kleine deutsche Venus, Du!“ mit reichlich Beifall.