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Zu viel Kultur auf Usedom ...
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02. September 2009, Peenemünde
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Lag es an dem lauen Sommerabend dieses 1. September 2009 oder an der Schwere des Theaterstückes – Kassandra nach Christa Wolf, dass so wenige nur den Weg fanden hierher nach Peenemünde? Die 14 Zuschauer jedenfalls, die zur Inszenierung gefunden hatten, ließen sich ein, waren begeistert, beeindruckt, nachdenklich und kurz der Spaßgesellschaft entrückt.
Achtzig Minuten Monolog jener Kassandra, der Königstochter aus Troja, die auf den Tod wartend ihr Leben noch einmal Revue passieren lässt, die von Männern spricht, von der Liebe, von Hass und Intrigen und vom Krieg und davon, dass „die Frage, wie der Krieg wohl angefangen hat lang vergessen ist mitten im Krieg“. Achtzig Minuten Monolog einer großartigen Cornelia Gutermann-Bauer in einer Inszenierung des Turmalin – Theaters unter der Regie von Günter Bauer, achtzig Minuten in Dunkelheit, etwas die Farbe wechselndes Scheinwerferlicht, eine großartige und emotionale Stimme, beeindruckende Mimik und Gestik – ein Leben der Kassandra in achtzig Minuten. Fünf Minuten und vierzig Sekunden Schauspielkunst für jeden einzelnen der 14 Besucher, die den Weg in das Kesselhaus des Kraftwerkes nach Peenemünde gefunden hatten an jenem 1. September 2009, siebzig Jahre nach dem Überfall der Deutschen auf Polen, einige Kilometer östlich von hier an der Ostsee bei Danzig, dazu das Zwitschern einiger Spatzen, das jäh verstummt, als Kassandra schreiend aus ihrem Traum erwacht und uns ihr Leben beginnt zu erzählen.
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Bleibt die Frage, ob das Projekt, hier ernstes Theater zu spielen zu ehrgeizig ist – vierzehn Besucher (wenn auch begeistert) sind schlichtweg zu wenig für eine Insel der Kultur. Das Deutsche Theater Peenemünde, in Berlin etwa wäre es ein voller Erfolg, auf Usedom pausiert es nun nach zwei Jahren Theatererfahrung auf der Nordspitze der Insel. Ist Usedom doch „nur“ die Ferieninsel und kein Kulturziel? Die Antwort ist nicht etwa ein „Ja“, wie das Usedomer Musikfestival z.B. und der Benzer Musiksommer jedes Jahr eindrucksvoll beweisen. Und doch ist diese so wunderbare Seite der Insel Usedom noch zu wenig bekannt und es wäre schade, wenn es Kassandra nicht gäbe in Peenemünde.
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Ob es vor siebzig Jahren auch so ein lauer Sommerabend war, als die ersten Schüsse des Krieges über die Ostsee hallten, geht es mir durch den Kopf, als ich nach Kassandra die Kühle des Peenemünder Kraftwerkes verlasse und mir die warme Luft des Sommerabends entgegen schlägt. |
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