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Die Sonne wird
bald aufgehen, drüben über der Ostsee, als wir unser
Kajak an diesem Sommermorgen am
Peememünder Hafen zu
Wasser lassen. Hier schlafen noch alle. In ein paar
Stunden werden Feriengäste und Wochenendurlauber den
Hafen bevölkern. Wir fahren den Peenestrom abwärts in
nordwestlicher Richtung und sehen schon bald die Sonne
über dem Nordzipfel der Insel Usedom aufgehen. Die paar
Wölkchen dürften bald vertrieben sein ... |
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Wir sind
alleine auf dem Peenestrom, der hier in den Greifswalder
Bodden mündet. Auf der linken Uferseite Kröslin mit
seiner großen Marina und schon bald das Dörfchen Freest
mit seinem Fischerhafen. Vor uns in der Ferne die Insel
Rügen. Wir aber bleiben dicht an der Küste Usedoms, da
sich langsam ein kleines Lüftchen regt. Die Schreie der
Seeadler sind in der Stille des Morgens besonders weit
zu hören. Irgendwo in den einsamen Wäldern des
Peenemünder Hakens haben sie ihren Horst mit ihren
hungrigen Jungen. Nun verlassen wir den Peenestrom und
folgen dem Uferverlauf Usedoms nach rechts. Flach ist
das Wasser hier, doch schon bald wird es wieder etwas
tiefer, denn man hat hier in den 30-ger Jahren beim Bau
des Deiches um den Flugplatz Ausbaggerungen
vorgenommen. Linker Hand taucht die Insel Ruden auf,
und davor gelegen flache Sandbänke - ein Paradies für
Wasservögel. Wie im Wind schaukelnde Perlschnüre ziehen
lange Reihen von Kormoranen zwischen Ruden und Usedom
hin und her. Auf dem Nordzipfel der Insel befindet sich
eine riesige Kormorankolonie. Zwischen 300 und 400 Gramm
Fisch soll einer der hungrigen Fischjäger täglich
verputzen. An die 30 000 Kormorane leben hier ... |
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Wir machen eine
kleine Pause am Ufer, nachdem wir den viereckigen
Ausläufer des Flugfeldes passiert haben, der sich hier
bis in den Greifswalder Bodden schiebt. In einer Linie
damit, die zwei im Bodden stehenden Betoninseln mit den
Positionslichtern der Einflugschneise. Bis zur Wende
starteten und landeten hier unaufhörlich die Düsenjäger
der NVA. Nun ist es ruhig am Nordzipfel der Insel, und
als wir wieder im Kajak sitzen und weiter in Richtung
offene See paddeln, trauen wir unseren Augen nicht. Doch
je näher wir kommen, um so deutlicher wird es, auf einer
Sandbank stehen sie, zwei der riesigen Seeadler, hinter
Ihnen die Tonnen der Fahrrinne, die aus dem Greifswalder
Bodden hinaus auf die offene Ostsee führt. |
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Nun wird das
Wasser wieder flacher, so dass zeitweise das Paddeln
unmöglich wird, wir versuchen etwas weiter vom Ufer
wegzukommen. Die Ausläufer des Peenemünder Hakens sind
in ständiger Bewegung. Sand der von der steileren Küste
Usedoms zwischen Koserow und Bansin kommt, wird mit der
Strömung hier her transportiert und lagert sich ab, so
dass immer wieder neue Sandbänke entstehen. Vor vielen
hundert Jahren soll eine Landverbindung zwischen Usedom
und Rügen bestanden haben, die bei der so genannten
Allerheiligenflut zerstört wurde, übrig blieben der
Ruden und einige Flachwasserbereiche. Wir haben wieder
tieferes Wasser erreicht, bleiben den
Flachwassergebieten fern und versuchen weiter in
Richtung offene See zu kommen. In der Ferne ist die
Brandung der nahen Ostsee schon zu vernehmen, der Wind
hat etwas aufgefrischt ... |
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Schon bald
erkennen wir neue Hindernisse, die unseren Plan, die
Nordspitze der Insel zu umrunden und bis an den Strand
von Trassenheide zu paddeln für heute zu gefährlich
erscheinen lassen. Wir machen auf einer kleinen Sandbank
Pause. Drüben grüßen die Inseln Ruden und Oie, auf der
anderen Seite der Schilfgürtel der Usedomer Nordspitze,
dahinter die Kormorankolonie. Im offenen, jetzt schon
mächtig bewegten Wasser sehen wir die Schiffwracks, die
jahrelang als Ziele für Schießübungen der
DDR-Streitkräfte dienten. Überall ragt Metall aus dem
Wasser - Rohre, Träger, Schiffsteile. Zu gefährlich, um
bei diesem Seegang weiter zu fahren. Nicht auszudenken,
wenn ein Metallteil knapp unter der Wasseroberfläche
unser Kajak beschädigt. Man müsste weit nördlich um das
Areal herumfahren, doch dafür ist der Seegang bereits zu
hoch. Wir genießen die Ruhe und schlafen ein Stündchen
auf der Sandbank, bevor wir dann an der Küste entlang
zurück in Richtung Peememündung paddeln. |
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Langsam füllen
sich die Gewässer zwischen Usedom und Rügen. Immer mehr
Segler fahren die Fahrrinne entlang vorbei am Ruden in
Richtung Ostsee. Vom Flugplatz in Peenemünde kommt
Motorenlärm hinüber zum Bodden - Sicherheitstraining für
Motorradfahrer. Plötzlich, wir trauen unseren Augen
nicht, am Ufer sitzen zwei Seeadler in der Sonne,
unbeeindruckt vom Lärm und den Bildern der Zivilisation
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Noch fasziniert
von den majestätischen Vögeln biegen wir in den
Peenestrom ein und paddeln zurück zum Ausgangspunkt
unserer Tagestour. Ob die Leute, die am Ufer baden und
mit ihren Motor- und Segelbooten den Strom entlang
fahren ahnen, was wir an diesem Tag erlebt haben? |
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