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Der Dreißigjährige Krieg |
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Damals sangen die Mütter ihren Kindern das traurigste aller Kinderlieder ... Maikäfer flieg ... Dein Vater ist im Krieg. Deine Mutter ist in Pommerland, Pommerland ist abgebrannt. Maikäfer flieg! (aus Wille, Usedom, F. A. Brockhausverlag Leipzig, 1983) |
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Ausgelöst durch den 2. Prager Fenstersturz begann 1618 ein Krieg um
die Herrschaft in Zentraleuropa und im Ostseeraum, der sich schließlich bis zur
Erschöpfung der Hilfsquellen aller kämpfenden Parteien bis 1648 hinzog, das
Volk zermürbte, Deutschland und so auch unsere Insel und ihre Bewohner
zerstörte - aus Pommern wurde eine Wüste. Entscheidend
für die schwere Belastung unserer Gegend war einerseits sicher die wichtige
strategische Lage der Schiffszufahrt bei Peenemünde über den Peenestrom
vorbei an Wolgast zur Oder und nach Stettin mit einer enormen
wirtschaftlichen Bedeutung für den ganzen Ostseeraum. Auf der nebenstehenden
Karte, einem Ausschnitt aus einer aus dem 17. Jahrhundert stammenden
niederländischen Karte
, die von
einer Lubinus-Karte abgeleitet wurde, ist die Strategische Bedeutung der
Peenemündung zu erkennen. Nicht umsonst hatten
die Pommernherzöge fast ein halbes Jahrtausend hindurch von Wolgast aus den
Handel von der Ostsee ins gesamte Odergebiet kontrolliert. Ihr Schloss auf
einer Insel im Peenestrom war nicht nur untrügerisches Macht- und
Statussymbol, es ermöglichte es auch, sehr einfach diesen wichtigen
Handelsweg zu kontrollieren. Jetzt aber trugen die geschwächten und
politisch unsicheren und in Entscheidungen sehr zögerlichen Wolgaster Pommerherzöge zum schweren Los unserer Insel
bei. Die Politik war durch eine kaum zu verwirklichende Neutralität und
ewiges Taktieren gekennzeichnet. Es fehlte an einem ausgebildeten Heer - und
selbst als Bogislaw XIV.(Abb.) im Jahre 1626, nahe Verwicklungen ahnend ein
allgemeines Aufgebot der wehrpflichtigen Mannschaft der Städte und des Adels
berief, da verstanden sie den Ernst der Zeit so wenig, daß erstere nur
wenige Soldaten stellten, letztere schon nach acht Tagen die Knechte
zurückriefen, da sie zur Ernte gebracht wurden - und Wallenstein stand an
den Grenzen! Bogislaw stimmte letztlich einer sechswöchigen Besetzung durch
zehn kaiserliche (Ferdinand II.) Regimenter zu. Aus den 6 Wochen wurden fast
6 Jahre, aus den 10 Regimentern ein ganzes Heer (aus
Burkhardt, Geschichte von Zinnowitz, Wolgast 1909). Noch 1627
erbauten die Kaiserlichen die Peenemünder Schanze um dem
bevorstehenden Einfall der Dänen Widerstand leisten zu können. Für die
Söldner mussten täglich 2 Pfund Brot, 2 Pfund Fleisch und 2 Quart Bier von
der Bevölkerung der umliegenden Dörfer gestellt werden. 1628 landete östlich
von Zinnowitz der Dänische König Christian IV. mit 22 Kompanien Infanterie
und 6 Schwadronen Reiterei. Sie eroberten und zerstörten die
Peenemünder Schanze und wenig später das Herzögliche Wolgast. Wallensteins
Truppen rückten unter General Arnim gegen Wolgast vor und drängten die Dänen
aus der Stadt und von Usedom zurück. Die Kaiserlichen besetzten unsere Insel
erneut und waren zügelloser denn je. Der Ausbau der Peenemünder Schanze
durch die Kaiserlichen wurde vorangetrieben, die Truppen erhielte
wöchentlich 10 Ochsen von der Inselbevölkerung. Die Not wurde noch größer,
als ein Haufen Kroaten plündernd über die Insel zog. |
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| Da erschien die Landung des Schwedenkönig Gustav II. Adolf am 26. Juni 1630 wie eine Erlösung für die leidgeprüften Inselbewohner. Er soll als einer der ersten seinen Fuß auf deutschen Boden gesetzt haben, kniete nieder und betete. Hier eine Gegendarstellung zur historischen Überlieferung: "Als der König von Schweden 1630 in Usedom landete, stolperte er auf der schmalen Laufplanke, die vom Schiff ans Ufer führte und verletzte sich dabei leicht am Knie. Dieses für jeden anderen Zeitgenossen ungünstige Vorzeichen verkehrten protestantisch gesinnte Historiker in eine beabsichtigte Handlung: ihr protestantischer Held sei, als er Land betrat, auf die Knie gefallen, um Gottes Segen für seine gerechte Sache zu erflehen." So oder so die Inselbevölkerung sollte aufatmen können. | |||||||
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| Die Schweden, ein geordnetes Heer auf dem höchsten Stand der damaligen Kriegskunst, baute die Peenemünder Schanze nach kurzer Eroberung weiter aus. Von Usedom aus griff Schweden unter Gustav II. Adolf in den Dreißigjährigen Krieg ein und war schnell über Usedom, Wollin nach Stettin, um von dort weiter nach Mecklenburg, Brandenburg, Sachsen, Böhmen, Franken und Bayern zu operieren. Am 16. 11. 1632 fiel der Schwedenkönig Gustav II. Adolf bei Lützen. Sein Leichnam wurde nach Wolgast gebracht und hier eingeschifft und nach Schweden überführt. Die Szene ist auf dem Brunnen vor dem Rathaus zu Wolgast verewigt und das Gemälde "Einschiffung der Leiche Gustav II. Adolfs im Hafen von Wolgast" ist noch heute in Stockholm zu bewundern. | |||||||
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| Mit dem Tod von Bogislaw XIV. im Jahre 1637 erlosch das Pommersche Greifengeschlecht. | |||||||
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| Nicht unwesentlich durch das Eingreifen des Schwedischen Heeres in den Dreißigjährigen Krieg bedingt, wurde durch den Westfälischen Frieden die Teilung des Herzogtums Pommern vollzogen. Der östliche Teil kam zu Preußen und Schweden wurde der westliche Teil mit Stettin, Usedom-Wollin und Rügen zugesprochen. | |||||||
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